Jetzt hören Sie doch auf zu heulen, es kam doch, wie es kommen musste, und es ist absolut alles so in Ordnung. Das Ausscheiden des Weltmeisters in der Vorrunde (2002 Frankreich, 2010 Italien, 2014 Spanien, 2018 BATSCH!!!) hat ja eine gewisse Tradition und Traditionen sind ja was, an das man sich in schweren Zeiten festhal… ach Quatsch, was ist denn das für ein Unsinn. Ich fang nochmal von vorne an.
Hallo, wie geht’s? Heute wollen wir fröhlich sein. Und wir wollen unsere Arbeit gut verrichten und umarmen Sie doch mal den Menschen, der jetzt gerade neben Ihnen sitzt. Oder Ihre Frau oder Ihren Mann oder Ihren sonstwie transgedingsten Lieblingsmenschen zu Hause oder wo auch immer Sie wohnen. Als Kind, also bis heute, habe ich oft darüber nachgedacht, auf einem Floß oder in einer Höhle zu wohnen. Gerade kommt mir der Gedanke, dass man ja auch auf einem Floß in einer Höhle wohnen könnte. Ich meine, das wären doch dann gleich zwei hammergeile Wohnoptionen auf einmal. Also, das wäre doch toll. Nein? Na ja.
Also gestern sind wir rausgeflogen. Ja, wir alle sind da rausgeflogen. Denn wir alle haben alles falsch gemacht. Denken Sie nur an 2014, wo wir, mit etwas Glück, Weltmeister geworden sind. Ein Sommermärchen quasi haben wir absolviert. Eine Weltmeisterschaft heißt immer auch Aufschwung, Optimismus für das ganz Land, heißt es. Aber schon 2015, als die ganzen Leutchen aus dem elenden Teil der Welt zu uns kamen, da war das alles wieder vergessen. Eventuell ist es sogar so, dass die meisten Menschen, die sich damals für die Fluchtgetriebenen den Arsch aufgerissen haben, gar kein Fußball kukken und sich einen Scheiß um die WM kümmern. Die Eventjubler mit der Fahne in der Fresse, das sind doch dann die, die sich als Erstes in die Hose kacken, wenn es mal nicht mehr so läuft, und die finden auf einmal Özil doof und haben es schon immer gewusst. Und dann hangelt man sich ganz schnell an den Thesen des Thilo Sarrazin entlang.
Ja gut, das war jetzt nicht so toll, das was wir da in den letzten Spielen gesehen haben. Wahrscheinlich ist es nicht so einfach, richtig wach zu sein, wenn man schon alles erreicht hat. Vielleicht klappt das nur im Verein und wenn man jede Woche in einem bestimmten, zusammengebastelten Konstrukt aus allen möglichen Menschen aus allen möglichen Ländern der Welt eine bestimmte Idee intensiv ausarbeiten und verfolgen kann. Ich weiß es doch auch nicht, Herrgott nochmal.
Nun aber bin ich ein wenig traurig. Und mir fiel heute morgen Marco Reus ein, der ja nun endlich mal zu einem Großereignis reisen durfte, und dann ist die Reise so schnell beendet. An Marco Reus lag das aber am allerwenigsten. Das sehe ich auch so, wenn ich meine Marco-Reus-Brille abnehme. Das ist schon so. Darüber hinaus hatte ich gestern folgendes Gefühl:
Als wären die Spieler in Wackelpudding eingepackt. Als hätte ihnen jemand was ins Glas geschüttet. Wovor meine Mutter mich immer gewarnt hat. Dass mir jemand in der Disco Rauschgift in die Cola schüttet. So kam mir das gestern vor. Als wäre niemand da. Die Koreaner haben ja auch nun nicht gerade gut gespielt. Diese Fehlpassorgie in der Watteschachtel war nur schwer zu ertragen. Die Deutschen hatten ungefähr 99 % Ballbesitz, aber zu keinem Zeitpunkt des Spiels hatte man das Gefühl, das wird noch was. Ich bin mir aber fast sicher, dass wir, mit den uns zur Verfügung stehend Fußballspielern, in naher Zukunft schon wieder was ganz anderes erleben werden. Hier, was macht eigentlich Leroy Sané gerade. Wollte den Löw hier nicht verheizen? Wollte er ihm das ersparen, weil er wusste, dass das nichts wird? So muss es gewesen sein.
Und jetzt die guten Nachrichten:
– Ante Rebić ist noch dabei
– Mehmet Scholl wird eventuell doch nicht Bundestrainer
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