Die drei Tage auf der #rp13 des Gerrit Bruce Becht

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Drei Tage Twitter, Blogosphäre und beten mit der Netzgemeinde – #re:publica13. In der Station Berlin, im legendären Stadtteil Kreuzberg fand die Jahreshauptversammlung der Blogger, digital natives, web Guerilleros und SoM-Avantgarde unter dem Motto IN/SIDE/OUT statt. Für die meisten der 5.000 Teilnehmer fühlt es sich hier so an, als seien sie beim größten Klassentreffen der Welt, während ich bei meiner Erstbesteigung des twitter-Gipfels vor allem über eine Erkenntnis überrascht bin: „Die kenne sich ja wirklich alle!“. So familiär und undigital es hier zunächst auch zugeht, muss doch mehr dran sein, als nur mal den virtuellen Nachbarn von der facebook-Farm in echt erleben zu wollen. Denn neben den Speerspitzen der deutschen Netzbohême wie Anke Domscheidt-Berg, Guenter Dueck, Markus Beckedahl und dem unvermeidlichen Sascha Lobo, sind auch prominente Speaker aus der analogen Welt angereist. Z.B. Dieter Zetsche, Jutta Allmendinger (WZB) oder Andreas Schleicher (OECD). In Ihren Vorträgen und Panels geht es um Netzethik, Datensouveränität und Augmented Reality, Themen die sicherlich nicht mehr viel mit Befindlichkeitsbloggerei und Wohlfühltweeds zu tun haben, sondern Inhalte, die Entscheider in der Wirtschaft in den nächsten Jahren immer stärker und drängender begleiten werden. Das nächste große Diskussionsthema zeichnete sich auf der re:publica13 schon jetzt am Rande und außerhalb der offiziellen Panels und Veranstaltungen sichtbar ab: Google Glass! Macht man sich damit zur heimlichen Drohne für einen Internetgiganten, der seine Mitmenschen gewollt oder ungewollt ausspioniert – macht man sich zum „glasshole“? Ist es einfach nur der nächste logische Schritt, um die persönliche Daten- und Informationsverarbeitung, egal ob fun oder business, noch komfortabler und technologisierter zu gestalten. Oder ganz unaufgeregt betrachtet, ein total abgefahrener Gimmick fürs Gesicht, der in zwanzig Jahren genauso banal erscheint, wie uns heute der erste SONY Walkman, und die Diskussionen darüber, ob man strahlenkrank oder impotent wird, wenn man beim Joggen Musik aus dem Kopfhörer hört. Im nächsten Jahr treffen wir uns alle wieder, in Kreuzberg, in der Station am Gleisdreieck. Mal sehen wie viele glassholes dann dabei sind und ob ich nicht auch eines sein werde. Vielleicht hat die Netzdrosselung bis dahin aber auch das Web 2.0 erwürgt oder vielleicht haben twitter, flickr, facebook und Co. eine Revolution ausgelöst, die den Hunger in Afrika beendet . Vielleicht sind wir dann aber auch einfach nur doppelt so viele wie in diesem Jahr. Doppelt so viele, die ihre Chance wahrnehmen, an der digitalen Zukunft und einer fairen und sinnvollen Entwicklung der Gesellschaft im Internet teilzuhaben und andere zu ermutigen das Gleiche zu tun. (#)

(Autor: Gerrit Bruce Becht)

Das Ironiefähnchen

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Bold Huck

Hier, nun da ich ein alter Mann bin und sich Dinge in meinen Zahnfleischtaschen sammeln, die ich mir erst mit einer Hi Tech-Zahnbürste rausvibrieren muss, da möchte ich mir auch mal eine Meinung leisten. Denn: ich kann mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen, was ich den lieben langen Tag täte, wenn es das Internet nicht gäbe oder nie gegeben hätte. Gleichwohl weiss ich auch keinen Rat, wie meine Gesamtstruktur zu gestalten wäre, wenn das Internet so wie wir es kennen abgeschaltet, eingedämmt, gedrosselt, gesperrt, verunstaltet und/oder irgendwie unerschwinglich wäre. Neulich habe ich noch geunkt und so getan, als sähe ich naiv und wie ein schwülstiger Positivist in die Zukunft, das ist aber falsch, um es genau zu sagen: ich arbeite an meiner Zukunftsangst.

Ich kann mir, vielleicht auch ob diverser Zwackungen an meinem Leib und den Verzwickungen mit der Menschheit, die oft plötzlich über mich und die Menschheit, bzw. über die Menschheit und mich hereinbrechen, nicht mehr vorstellen, dass ich mir etwas schier Auswegloses vorstellen kann. Ich habe immer einen Ausweg gefunden, auch wenn dieser Weg sumpfig und mit Dornen und Ungetier gepflastert war. Aber der sumpfige und mit Dornen und Ungetier gepflasterte Weg führte bislang immer zu einem Ausweg. Gut, der Ausweg war manchmal eine Tür nach draußen im 55. Stock eines Hochhauses ohne Geländer, aber es war ein Ausweg. Ob es nun eben diese Verzwickungen mit Andersdenkenden, sogenannten Freunden, Mitgliedern meiner Familie oder politische Gegner waren, wir konnten uns stets einigen. Wenn die zappelige Nadel das Stimmungsbarometers im Tiefdruckbereich tanzte, dann wusste ich was zu tun ist.

Heute ist das anders. Zum einen ist ja angeblich nichts mehr wichtig, dafür vieles egal und zum anderen ist es genau umgekehrt. Menschen die mir begegnen sind gleichsam von zwei Seelen beseelt. Ich wähne mich im Gespräch mit Erwachsenen, die mir Aufgrund der technischen Möglichkeiten des Internets so etwas wie Freunde geworden sind, stehe aber im Grunde in Kontakt mit mentalmoralischen Absonder- und Fremdlingen. Kurze Irritationen führen zu Missstimmung, Rausschmiss, Fadenscheinigkeit und schlecht Zeugnis. Wie ganz kleine Kinder. Aber ganz kleine Kinder würden nach kurzer Zeit die Lust an den ewigen Querelen verlieren. Nicht so wir putzigen Absonderlinge. Es werden Tag für Tag weltweit millionen trauriger, motziger, subtil anklagender Tweets, sowie Beziehungsstresstweets und Beziehungsstresssimulationstweets erdacht, auf einem Word-Dokument zwischengespeichert und zur Primetime getwittert. Es wird geschwindelt, erfunden, erdacht, falsch gedacht und es Befindlichkeiten simuliert, dass es eine wahre Pracht ist. Und alles nur, weil wir Interfuzzies nicht wissen, wie wir uns ausdrücken können oder müssen.

Glaube ich.

Und wenn dies geschieht, dann nicht ausführlich in einer kessen Diskussionsrunde oder zu zweit auf einem Sofa zu einer zünftigen Stiege Tetrapak Rotwein mit Cola, sondern es wird sich beschwert, geunkt und empfunden in 140 Zeichen auf einer der größten Ironieplattform aller Zeiten. Und da drückt die ewige Ironie die digitale Gesellschaft in Sachzwänge, die nicht mehr kontrolliert werden können. Kurzum auf dem (womöglichen) Zenit des Zeitalters der Kommunikation haben wir das Kommunizieren verlernt. Wir verstehen uns nicht mehr. In Foren, Kommentarbeiträgen, auf Twitter oder sonstwo herrscht Unsicherheit, ob das Gesagte auch richtig  ankommt, ob man auch cool rüberkommt, ob sich die subtile Andeutung auch wirklich im Gemüt der Zielgruppe einnistet. Der scheinbare Ausweg ist die Garnierung der Erklärungstexte mit schon längst der Lächerlichkeit preisgegebenen Erklärungsaccessoires wie LOL :o) oder *wegduck*. Obendrein ist die tatsächliche Nähe, zu den auf eine Unzahl angewachsenen Bekanntschaften und Freunde eher nicht vorhanden. Man kennt sich eigentlich gar nicht. Das führt zum einen per se zu Missverständnissen beim Zuhörer oder Leser und zum anderen fehlt oft das Vertrauen oder der Mut oder einfach der Anstand offene Worte zu formulieren. Also wird in Lakonie, Ironie und Witzhaftigkeit schwadroniert, gemauert und am Ende geblockt. Im Internet ist ja alles nicht so ernst wie im richtigen Leben. Man muss sich locker geben und echt voll nicht so aufregen. Wie einfach ist der Absagebutton gedrückt und wem selbst das zu heikel kann ja die „Teilnahme unsicher“-Karte ziehen und alle sind irgendwie nicht so belastet mit Stress. Es ist alles total easy und wer will diese hippe Hippieness mit von Ernsthaftigkeit beseelten Sondereinwänden unterminieren. Aber wir müssen reden. Nein, wir müssen gar nichts. Aber wenn wir kommunizieren wollen, dann müssten wir reden. Wir müssen eventuell eine Sprache finden, vielleicht müssen wir das Ironiefähnchen erfinden oder Ironiekurse machen, Ironie-Universitäten gründen. Oder einfach das sagen, was wir sagen wollen und umgekehrt nur das hören, was gesagt wurde. Es wäre natürlich jetzt vermessen von mir zu behaupten, ich wüsste wie das geht. Bei mir ist das linke Ohr auf 1:1 gestellt und das rechte hört das, was es hören will. Obwohl ich krampfhaft der Ironiebewegung angehöre, so habe ich noch lange nicht begriffen wie es funktioniert. Ich merke erst oft erst Wochen, ja Jahre nach dem Vorfall, dass es überhaupt einer gewesen ist. Ich bin mir ja auch sicher, dass ich den ganzen Tag grinse oder wenigstens lächle und erst die Frau machte mich 2003 darauf aufmerksam, dass mein default-Gesichtsausdruck ein eher missmutiger ist. Also stolziere ich innerlich freudig erregt von Leberwurstfettnapf zu Leberwurstfettnapf. Ein Ende ist nicht abzusehen, aber… HABEN SIE MICH GERADE FETT GENANNT?

„Ja!“

Frau Sommer auf der re:publica

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Stijlroyal

Zuallererst sollte ich gestehen, dass mir die Netzaktive Welt der sogenannten Nerds fremder ist als allen Anderen, da ich wahrscheinlich die einzige Besucherin der re:puplica13 gewesen bin, die weder bei Facebook noch bei Twitter mitmischt. Mir als analoge Person, ist die Welt der digital Aktiven neu. Bisher wusste ich nicht allzu viel damit anzufangen und war mit dummen Vorurteilen beladen. Dort angekommen erlitt ich einen Kulturschock und musste mich erst einmal neu sortieren.

Seit der re:puplica13 ist mein Horizont erweitert und ich kann mir vorstellen zu twittern. Ich habe Freunden und Bekannten Facebook empfohlen und will digital aktiver werden. (Vielleicht – oder doch sicher. Es scheitert bisher an der Namensfindung meines Twitteraccounts, ich schwanke zwischen „dieBekehrte“, „dieEhemalsAnaloge“ und dem Einfall der bisher noch nicht ins Hirn gesprungen ist.)  Die Vielfalt der Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind nahezu erschlagend und das arbeitet noch nach.

Die vielen Besucher waren gar nicht so schlimm nerdig, wie ich mir sie vorgestellt habe, meine Vorurteile sind ungerechtfertigt. Nur wenige Besucher trugen dicke Hornbrillen und der allergrößte Teil der Besucher war gepflegt, individual stilisch und gewaschen. Sie sind kommunikativ, auch im echten Leben und haben außer ihrer Netzaktivität noch anderen Interessen (Yoga, Schwimmen, Stricken, Nähen, Essen, Trinken, Reisen, Skaten, Surfen, etc.). Ich dachte Twitterer, Facebookler und all diese Netzaktiven seien sozial vereinsamte Menschen, die sich ausschließlich aus der Anomymität des Netzes heraus wagen zu agieren und sonst unerkannt bleiben wollen. Dem ist nicht so. Es bestehen vielfältige Anliegen und diese werden in verschiedener Art und Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und es wird Fläche zum Austausch geboten.

Außerdem muss auch nicht alles was Spaß macht direkt sinnvoll sein. Es sind nicht selten die von Sinn befreiten Dinge, die mir das Leben wert machen und mich inspirieren. Tweets lesen sich für mich wie Kneipensprüche, mal mehr, mal weniger gescheit und oftmals unterhaltsam. Wenn man sich in Echtzeit über einzigartige Dinge (z.B.: das Zimmermädchen/Film) austauschen will, kann man das über die sozialen Netzwerke der Neuzeit. Der Sinn ist gering, aber die Unterhaltung und der Austausch einzigartig und genial. Impulse schaffen sinnvolle Sinnlichkeithaftigkeit und fördern Kreativität.

Gänsehaut hatte ich wegen der politischen Blogger aus Teilen der Dritten Welt, die an Netzwerken zur Verbreitung von Bildung arbeiten und ihre Projekte vorstellten. Die Bedeutung des Netzes für diese Menschen ist enorm.

Gut finde ich auch, dass die Netzgemeinde als Instanz aufklärt und auf verschiedene Gegebenheiten aufmerksam macht. Gut ist, dass der mannigfaltige Haufen von intelligenter Kompetenz unabhängig ist, sich gegenseitig beobachtet und kontrolliert bzw. kommentiert. Nirgends ist der Kommunikationsfluss so breit und schnell und aktuell aber auch so infam und spaßig.

Ich bin froh, da gewesen zu sein und dankbar für den Einblick in die Welt der Digitalen und gehe nun bereichert auch durch die vernetzte Welt.

Nana dieEhemalsAnaloge oder dieBekehrte oder WieAuchImmer

(Autorin Nana Sommer)

Die Gemeinde

Bold Huck

Prolog

Gestern wollte ich das Buch eines dieser Internetspinner kaufen. Zu diesem Zwecke wollte ich ihm oder ihr mit einer Zusatzbemerkung via einer sogenannten direct message auf Twitter belästigen, aber da hat mich der Autor oder die Autorin oder die Autoren oder der Hund des oder der Autoren oder der Autorin bei Twitter entfolgt, worauf man keine sogenannte direct message schreiben kann. In diesem Moment oder wenige Sekunden zuvor, vielleicht waren es auch Minuten. Da kam ich mir reichlich bescheuert vor, weil, ich wollte das Buch doch eigentlich nur aus Solidaritätsgründen erwerben, weil ich es ja prinzipiell gut finde, wenn jemand aus der Gemeinde ein Buch schreibt und/oder herausbringt, aber ich kaufe doch nicht bei Arschlöchern. Schließlich bin ich nicht umsonst eine Mimose. Ich will natürlich aus Gründen des Funs geliebt und verehrt werden. So vordergründig, nicht unbedingt hinter- oder gar tiefgründig. Da ist es mir egal. Einerseits geht es mir auf den Sack und ich möchte den Leuten Leid antun, wenn ich grundsätzlich dazu neigen würde Leuten Leid anzutun, wenn sie mich ablehnen, andererseits ist es mir egal. Ich glaube so knapp unter meiner Haut könnte ich ausrasten vor Wut, aber innen drin ist es mir wurscht. Ich bewundere Menschen oft für ihren Mut mich abzulehnen, weil ich ja eigentlich ein lässiger Hund bin. Ein dicker, lässiger Hund. Ein dicker, lässiger, bunter Hund bin ich. Eigentlich.

Karten

Weil ich ja die Gemeinde gerne sehe, bin ich extra auf die diesjährige re:publica gefahren. Zunächst wollte ich gar nicht hin. Ich sagte zur Frau: „Dieses Jahr, ich schwöre Dir, gehe da nicht hin. Mir reichts!“ Dann aber fuhr ich zum Kunden nach Duisburg und als ich so auf der Autobahn war und ein bisschen im Stau stak, da erblickte ich auf Twitter die Nachricht, dass der Kartenverkauf zu rp13 eröffnet war. Ich atmete kurz in eine Tüte, rief dann die Frau an und sprach: „Frau, bitte bitte lass alles fallen und liegen und setz Dich an ein Computergerät, logge Dich im Internet ein und kaufe uns zwei Karten zur re:publica an. Ich will da hin. Ja, ich weiss, ich wollte nicht hin, aber ich habe es mir anders überlegt und ich kann unmöglich von der Autobahn aus zwei Karten erwerben. Bitte stell keine Fragen zu meinen Geisteszustand. Ich liebe Dich!“ Dann hatten wir also zwei Karten für die re:publica im Jahre 2013, also neulich.

Das Einhorn

Dann, Wochen später, ich lag auf einer Matratze herum, da sprach mich ein Einhorn aus dem Internet an. Da es weder kotzte noch motzte, tat ich was es mir auftrug, das Einhorn.

Alles wird gut

Unsere Show „Das Heilige Abendmahl“ in Stichworten:
– Call for Papers: You’re in! (Also ich jetzt)
– Sascha Lobo Überraschungsvortrag wird parallel zum Abendmahl angesetzt
– Das Einhorn sagte ab
– Unsere für den Berlin-Aufenthalt gemietete Wohnung wurde vom Vermieter gecancelt (fragen Sie nicht)
– Der Kameramann, der alles dokumentieren sollte, erkrankte an einer kurzfristigen Krankheit (Er ist inzwischen genesen)
– Die eilig und kurz vor knapp angemietete Wohnung hatte keinen Parkplatz
– Die Frau aus Freiburg sagte ab
– Das DSL in der eilig und kurz vor knapp angemieteten Wohnung sagte ab
– Die Kamera-Akkus waren nicht auffindbar
– Mein Mikrofon war kaputt
– Ich rede zu schnell
– Der türkische Imbiss war kein türkischer Imbiss

Aber sonst war es sehr schön und wenigstens fiel keiner von uns von der Bühne.

Das Internetlogo und die lieblichen Dingsis

stijlroyal-blogroyal-republica-gerrit-mit-saschaEventuell hätte man sich auch erschießen können, wenn man zum sich erschießen neigt, aber zum Glück hatte ich noch vier bis acht formidable Merkwürden an meiner Seite, von denen vier Stück zusammen mit mir auf die Bühne kletterten, so dass mir niemals langweilig war. Das blutjunge Kleinerdrei-Girl Maike Hank, die Götterbotin Anja Gottschling, der liebenswürdige Sonderling Tobias Schramm und die rheinische Frohnatur Gerrit Bruce Becht brachen mit mir das Brot und verschütteten den Wein auf dem blitzweißen Tischtuch. Das war alles sehr schön. Wir erzählten den Übriggebliebenen von unseren Twitterabenteuern und die quirlige Wikipippi hielt dazu dem Publikum eines unserer raren Mikrofone unter die Nase, während Jesus Best, Inés Kaltmamsell und Ninia La Grande ganz supidupene Dinge dingsten <3.
Wir sprachen wundersame Dinge und das Publikum lachte dann und wann. Danach wankte ich wieder hinaus in die schwüle Luft dieser Nacht. Ich kann mich kaum erinnern, wie es war. Ich glaube die anderen haben schöne, kurzweilige Dinge gesprochen, was ich auch gern getan hätte, aber ich habe eine motorische Störung und rede so schnell wie Gisela Schlüter auf 45, nur undeutlicher. Also praktisch ganz und gar unverstehbar. Das tut mir leid.
Nebenan indes kämpfte auch der von mir lieb gehabt habende Sascha Lobo mit der Technik. Allerdings vor ungefähr 42.000 Zuschauern. Mir fiel ein, dass wir vor einigen Monden mal mal bei uns daheim auf der Couch saßen und der Meinung waren, dass die Menschheit dringend ein Internet-Logo bräuchte. Und so sollte Sascha Lobo für die Bekanntmachung sorgen, während ich in meiner Eigenschaft als Designfuzzi für die Gestaltung und Existenz des Lobos… des Logos sorgen wollte, sollte und es auch tat: (#). Fertig. Ein Globus, den man mit herkömmlichen Tastaturzeichen und zwei Klammern darstellen kann und der wie ein Emoticon daherkommt. Eines Tages werden Sie verstehen, was ich meine. Bis dahin weinen Sie ein wenig oder freuen Sie sich mit uns. Und dann kam der Dienstag.

Die Frau und die andere Frau

Die Frau, ich darf nicht mehr „die Frau“ sagen, aber ich sag’s trotzdem. „Meine Frau“ hört sich ja auch komisch an. Sie gehört ja nicht mir. Nicht direkt jedenfalls. Die Frau und die andere Frau erzählten der Gemeinde etwa über das Stricken. Dies Geschah mit klar verständlichen Worten und mittels einer Präsentation. Und deshalb und weil Sascha Lobo nicht nebenan über das Internet-Logo plauderte, war der Saal auch voll wie ein Seemann, 25 Minuten nach dem Betreten der Hafenkneipe. Ich war sehr stolz auf die Frau. „Meine Frau!“ sagte ich den Umherstehenden. Auf die andere Frau war ich natürlich auch stolz.

Später besuchten wir noch einen Rotwein-mit-Cola-Garten und tranken mit den „sympathischsten Menschen“ des Internets Rotwein mit Cola.

Die Gemeinde

Auf der re:publica war es aber auch schön. Ich (v)erklärte wie jedes Jahr dem Kirscheplotzer Twitter. Man durfte sich auf Holzkisten setzen und irgendwie von Feeling her, war es so ein bisschen wie in einem Bahnhof-Wartesaal im Detroit der frühen Achtziger Jahre. Und es gab Halloumi-Burger. Ich meine… Halloumi-Burger. Die Gemeinde stand Kopf. Außerdem gab es clubmateeske Getränke die nach Blumen schmeckten. Die Gemeinde stand Kopf. Dann kam der Mittwoch:

– Die Wurstsoße von Curry 36 schmeckte nach Blumen
– Die Batterie meines Kraftfahrzeugs gab den Geist auf
– Die Tankanzeige meines Kraftfahrzeugs gab den Geist auf
– Mein Kraftfahrzeug blieb auf der Zossener Straße in Kreuzberg liegen

Am Mittwoch kam der beste Vortrag der re:publica, na sagen wir der zweitbeste. Der Geek und Lebemann Matthias Bauer erklärte Bacon. Dann kam der Donnerstag.

Der Donnerstag

Am Donnerstag kam der Quitzi. Quitzi ist der entzückendste Mensch der Welt und wir teilen eine gemeinsame Liebe: Peter Kraus.

Aufwiederhähnchen 2014

Ich gehe natürlich nie wieder auf die re:publica. Das lasse ich mir nicht mehr gefallen. Nicht mit mir, mein lieber Johnny Häusler. Mit diesen ganzen Entfolgern und Trollen in einer schwülen Halle sitzen, während andere Entfolger und Trolle ohne Ticket draußen auf dem Hof auf dünnhäutigen Plastikstühlen herumlungern. Also ich meine… nächstes Jahr verlange ich Ticketkontrollen am Hoftor… was sag ich an der Stadtgrenze. Ich will mit der Gemeinde alleine sein.

Teil einer Jugendbewegung

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Bold Huck

Jetzt bloggt das hier ja nun mehr seit über 10 Jahren. Früher ja täglich, aber dann… die Arbeit erledigen, die Frau verehren, die Gliedmaßen sortieren, Tiere schlachten, Blumen gießen… alles geht ja immer irgendwie vor und das Blöggchen kommt immer zu kurz. Außerdem habe ich ja schon mehrfach aufgeführt, wie sehr mir meine eigene Meinung auf den Sack geht, wenn ich sie noch mal mit den Fingern auf der Tastatur tanzen lasse. Und dann habe ich jetzt auch noch acht Jahre nach unserem ersten Podcast mal den nächsten eingequarkt. Man muss ja immer auch in Ruhe alle überdenken. Acht Jahre sind schnell rum. Und ein Buch rausgebracht, ein Magazin erfunden, 20x umgezogen…

Aber ich schweife ab. Eben hat Martina „PickiHH“ Pickhardt auf Twitter das hier von Luca Hammer verlinkt und da dachte ich, jetzt bin ich ja doch schon so lange in dem Universum der Meinungen und Halbwissenschaften, da möchte ich meinen eigenen Planeten, den ich ja seit geraumer Zeit stark mit meiner lustigen Firma verknüpft habe, quasi als Mond, also nicht als Planet, um den eigentlichen Planeten, nämlich die Firma, kreise, was ja schließlich wichtig ist, also die Firma und da… jetzt habe ich den Faden verloren. Auf jeden Fall sind wir als Dings und ich als Erfinder, aber jetzt Teil von Blogoroyal, also das hier, ein Teil von dem hier. Also, es zeigt zwar jetzt nicht wirklich die Verlinkungskosmen der Blogs und nur die Autoren der Blogs und deren Verknüpfung bei Facebook mit andere Autoren von anderen Blogs, aber hier, what shall this denn auch?! Hauptsache EINMAL Teil einer Jugendbewegung sein. Darum gehts doch im Leben.

Ach und dann soll ich ja noch der Vater aller Twitterpartys sein, was ich weit von mir weise, andererseits, zu irgendwas muss man ja auch gut sein.

(Autor Huck Haas)

 

Bild © dirk schuster – Fotolia.com

Bärchencontent

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Wir freuen uns für und mit unserem Kunden, dem Münchener Anbieter von Kunden-Interaktionslösungen Telenet, über einen gelungenen Messeauftritt bei der CCW. Aber wir haben nicht nur einen echten kasachischen Grizzlybären in ein blaues Pandafell gesteckt und losgeschickt, um Panda-Muffins zu verteilen, sondern erstmal dafür gesorgt, dass er beim Kundenservice richtig aufräumt. Das Ganze haben wir dann dokumentarisch begleitet und dem erfolgreichen Konzept großer Filmmehrteiler (Der Pate, Herr der Ringe, Police Academy) folgend, in drei Virals verarbeitet.
Wir finden es natürlich immer toll, wenn die Presse über unseren Epos berichtet, aber in diesem Fall ist es besonders schön, weil von der kompletten CI-Neudefinition über Viral-Spots (sehen Sie hier) fürs Social Web, Werbemittel, Website und Give-aways bis zum klassischen Messeauftritt mal wieder eine schlüssige, aufmerksamkeitsstarke und sympathische Innovation gelungen ist. Und das in einer Branche, die allgemein in ihrer Außendarstellung sehr konservativ, technik- und produktorientiert ist.

Mal sehen, was als nächstes passiert.

Gerrit B. Becht (Kontakter/Stijlroyal)

Nur ganz kurz

Bold Huck

Liebe Netzgemeinde,

als ich gestern bei meinem ganz persönlichen King of Post Privacy Michael Seemann dies hier las, da dachte ich, ja so ist es und wollte ich es nicht die ganze Zeit schon mal aufschreiben und bin ich nicht eine furchtbar faule Sau, die vor lauter ins Internet starren zu nichts mehr kommt, außer vielleicht zum Arbeiten und Bratkartoffeln braten am Abend, wenn die Frau heim kommt? Ja, das bin ich.

JETZT
Oft begegne ich Menschen, die mich amüsiert, angewidert und neugierig zu gleichen Teilen fragen, was ich die „ganze Zeit“ „im Internet“ mache. Diese Leute wollen gar keine Antwort von mir, dafür erfahre ich im Gegenzug, dass sie für derlei Aktivitäten „gar keine“ Zeit hätten und zudem ein sogenanntes „Leben“. Ich habe es aufgegeben, diesen Leuten zu erklären, was ich im Internet mache und wozu das gut ist. Ich habe schon seit Ende 2009 niemanden davon überzeugen können, sich einen Twitter-Account zu zulegen, weil ich Twitter nicht mehr erklären kann. Ins Twitter kommst Du nicht mehr rein. Es sei denn, Du gestaltest Dein Pseudoleben als fickgeiler Clown und schmückst den Account mit ein paar halbgegarten Details aus Deinem nichtvorhanden Leben. Twitter ist Koellesterin und seine Konsorten und Anhänger. Es ist nicht mehr @kosmar, @nico@csommer, @pickiHH@ruhepuls oder der @trottelbot. Twitter ist Favstar und Humbug und wenn Du die Sprache des Humbugs, Mett, Bier, Cremant und die vielen Codes nicht kennst, dann kommst Du nicht mehr rein ins Reich. Ich kann z.B. kaum einem Kunden erklären, was er mit einem aktiven Twitter-Account machen sollte, außer im B2B-Bereich mit 200-300 Followern rumhängen um ab und zu Botschaften vom Rande der Netzidentität auszutauschen. Privat finde ich Twitter ganz knorkig und viele Menschen darin sind mir ans Herz gewachsen, manche kann man sogar mehr als 10x entfollowen, aber der Sinn… also der Sinn. hh hh h.

FACEBOOK
Facebook ist voll scheiße. Man kann niemanden googeln und die klauen unsere Daten. Habe ich im Fernsehen gelesen.

ALLES ANDERE
Man kann auch Youtube machen oder Instagram oder einfach das Essen auf Foodspotting bringen oder den Himmel oder seine Schuhe. In App.net kann man sich über App.net unterhalten, auf tumblr kann man tumblrn. Oder einfach immer nur Spiegel-Online lesen und Wikipedia und sich selbst googeln oder mal wieder bei Lycos reinschauen. Du kannst auch deinen Freunden LinkedIn erklären oder StumpleUpon oder Du lädst eine Million Bilder auf flickr.com und vergisst sie dort. Reddit war auch mal witzig und Digg (hahahah), ich bin nicht dick. Posterous, gibts das noch? Und was haben die Leute uns entfolgt, weil wir unsere blip.fm-Songs auf Twitter geteilt haben. Oder hier, häng deinen guten Geschmack an die
große Glocke und mach doch was auf delicious oder soup.io oder stell dein Leben live ins Netz auf Qik. Wir hatten ja nichts. Und dann hatten alle flavors.me und keiner hatte mehr eine Website und dann machen die Dienste alle zu und das ist dann irgendwie auch wieder blöd.

MATTHIAS BAUER
Wo geht die Reise hin? Der moeffju schrub neulich das hier. Ich dachte, als ich es geles… als ich die Buchstaben an meinem Auge vorüberziehen ließ, das würde ich auch gerne geschrieben haben. Es klingt so pfiffig. Es hört sich so an, als sei moeffju schon 1872 an Entwicklungen im Internet beteiligt gewesen. Das finde ich knorke. Dabei sein, Teil davon sein, Codes können, wer wünscht sich das nicht?! Auf dem CCC-Dings rumhängen und anderer Leuts Laptop hacken. Es ist aber gar nicht so einfach. Ich kann nur LOAD „$“,8. Immer sind die Menschen voraus, früher da, wissen mehr und verraten dabei nicht, wie es geht. Man muss alles selber googeln. Anstrengend!

ICH
Als ich am 26. August 2002 meinen
ersten Blogeintrag ins Internet schrieb, da wusste ich nicht, was Antville oder Blogger.com war oder was für eine Software man da nutzen muss. Ich knorzte mir mittels Dreamweaver eine html-Seite zusammen, die ich dann jeden Tag neu ins Netz stellte. Ich glaube, das war relativ umständlich und so SEO-technisch nur so eher semisinnvoll.
stijlroyal-blogroyal-lespionIch schoss Bilder mit einer l’espion, kopierte sie via USB auf meinen iMac und bastelte in Photoshop eine kleine Collage, die ich in meine blog.htm reinbastelte. Die neue Umständlichkeit war geboren. Blogroll? Nie gehört. Das Blog wurde auch nicht wahr genommen in der Blogosphäre. Die Gründe sind vielfältig und zahlreich. Ich benutzte keine richtige Bloggersoftware, ich sagte „der Blog“, ich schrieb selbstreferenziell bis zum Anschlag auf vier Kontinenten, kommentierte eher selten woanders und dann zog das Blog öfter mal um und alle Deep Links waren verloren. Sowas macht man ja auch nicht. Immerhin hatte ich schon mal von Felix Schwenzel gehört, der damals schon frapierende Dinge ins Internet schrieb und den ich mit Don Alphonso verwechselte, den ich später mit Don Dahlmann verwechselte. Also so optisch. Und Lu und den René und hier, den Dings aus Kiel und die Spreeblicks las ich dann ein paar Jahre später. Früher war schon toll. Aber wo steht der Bus mit den Leuten, die das interessiert?

ALSO
Alle Dinge gehen kaputt und kommen irgendwann aus der Mode. Dann gibt es neue Dinge. Früher sind wir auf allen Vieren durch den Busch gekrochen, heute gehen wir aufrecht und manchmal auch wieder nicht. Wir gehen, humpeln oder rollen aber trotzdem irgendwie voran. Was soll man auch machen? Wenn die Telekoms, von der Leyens, Burdas, die Chinesen, Google oder der Typ da drüben das Internet kaputt gemacht haben, dann bauen wir es an anderer Stelle wieder auf. Und diesmal noch schöner und irgendwie anders. Wo sollen wir denn auch hin??? Diese Angst, dass in der Zukunft alles anders wird und das dann aber unbedingt schlechter sein wird, die kann ich nicht teilen. Ich höre mir seit Jahrzehnten an, dass früher alles besser war und die Zukunft am Arsch ist. Das ist ein Teil meines Lebens. Ich besitze aber heute die besten Internet-Endgeräte, habe die schnellste Verbindung ins Netz, die besten Kollegen, die knorksten Kunden, ich bezahle die meisten Steuern >:- ( habe die schlauesten Freunde im Internet, der aktuelle Blogeintrag von Sascha Lobo ist immer der Richtigste. Mein letztes und einziges Buch ist das schönste. Die aktuelle Frau die liebste.
Das mutet vielleicht auf den ersten, zweiten und 299sten Blick naiv an, aber das ist es ja auch. Ja, warum denn auch nicht?!? Ja, nein, ich weiss doch. Technologische und soziologische Entwicklungen sind keine Naturgewalten, denen man schutz- und hilflos ausgeliefert ist, aber es ist einfach noch nicht die Zeit für was neues. Vielleicht muss das alte erst richtig kaputt gemacht werden und dann werden wir sicher nicht wieder in Erdlöcher zurück kriechen. Das wird schon. Habt keine Furcht. Wir können uns ja auf der nächsten re:publica alle mal drücken.

(Autor: Huck Haas)

Das Internet

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Bold Huck

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Jetzt war ich die letzten Tage bei meinem alten Mentor P.E., einem 65-jährigen Designer, ich sollte und wollte ihm das Internet erklären. Also fuhr ich zu ihm um dort an einem uralten Mac mit uraltem Betriebsystem auf Safari und mit einer Maus ohne Scrollrad (So haben wir es bei Apple ja gelernt) (Es hat mich wahnsinnig gemacht mit dem Zeigefinger auf der Stelle der Maus herumzureiben, an der sich bei meiner Maus die Scrollsensorik befindet) und auf einem Stuhl für Zwerge, in die Geheimnisse des Internets einzuweihen. Denn um nichts geringeres geht es. Und wie soll ich da anfangen? Ich habe mich entschlossen ihm Facebook zu erklären, habe ihn über die Gefahren von Datenschlonz und Uneigentum aufgeklärt und seinen Account eröffnet. Er stocherte dann unbeholfen mit dem Cursor auf seiner FB-Seite herum und mir kam der Gedanke, dass man das alles schon ganz lange machen muss, um dieses Gefühl für das alles zu bekommen und das dass alles für mich so eine Selbstverständlichkeit ist, dass ich nur noch auf Metaebenen und anhand von hölzernen Beispielen irgendwie verständlich machen kann, was wir da eigentlich machen, im Internet. Also erstmal Freunde auf Facebook finde. Vorher diskutieren, was der Begriff Freunde überhaupt ist. „Jaaa!“ sage ich, „das ist jetzt doch auch irrelevant, das nennen die bei Facebook halt so.“ Und sich dann fragen lassen, warum wir das so hinnehmen, dass wir uns diesen außerordentlich, tiefselig vermummelten Begriff von einem Nerd aus Amerika so verplundert und inhaltslos gemacht haben lassen. Ich hatte keine Antwort. Also „Freunde“ finden. Seine (richtigen) Freunde sind nicht so bei Facebook, aber ein paar meiner Freunde, die ihn auch kennen, mit denen befreundete ich ihn. Zwangsbefreundung. „Damit Du auch mal ein paar Freunde hast.“ So und jetzt Inhalte abliefern. P.E. ist Sammler von Dingen. Er hat eine ganz Lagerhalle voll mit Alltagskultur, Design aus allen Jahrzehnten, Zeitungen, Bücher (Ja Kinder, bedruckter toter Baum), Lampen, Dinge, Zeug  en masse, es sind Unmengen. Unmengen. Und wenn P.E. des abends auf der Couch sitzt, dann sucht er sich zur Erbauung eine Zeitschrift aus den 60er Jahren aus und geht darin auf. Gutes Editorial Design und kluge Inhalte, gute Reportagen, ausgemachter, gut bebildeter Schmonz, journalistische Bonbons, Interviews mit John Lennon und Miles Davis und Werner Bunz…

Doch zurück zu Facebook.

Ich frage mich, wie ich ihm das am Besten begreiflich mache. Dann fragt er: „Was ist eigentich mit Twitter?“ Noch nicht einmal, „Was ist eigentlich mit diesem Twitter“. Es ist also ernst. Ich erkläre Twitter. Meine Hände werden heiß, die Augen feucht. Die Armlehnen drücken in die Flanken und ich habe viele Flanken. Da wird mir klar, dass wir, die wir schon seit einigen Jahren in diesem sozialen Netz herumzappeln, schon längst in einer abseitigen kaum erklärbaren Welt, kaum erklärbare Statements, zu kaum erklärbaren Phänomenen absondern. Was sagt man da denn jetzt? Wo fängt man an? An wem orientiert man sich? Legt man sich einen pseudoverdrieslichen Ulknudelaccount zu und beschimpft die Folgschaft mit dem Plan mal ganz groß rauszukommen oder twittert man nichtssagendes, selbstreferenzielles Dampfgeplaudere z.B. über ein Klavier, das in zu trockener Raumluft Gefahr läuft zu bersten? Oder hier, das Phänomen auf Twitter zu sein, jeden Tag stundenlang dort abzuhängen und aber die Follower mit Verachtung strafen, weil sie eben dies auch tun? Soll ich ihm dazu raten? Ist es das? Müsste man nicht gezielt stundenlang ausgefeilte, unbedingt originelle Dinge schreiben, die dann auf Favstar Anklang finden? Wem soll man folgen? Altherrenbloggern? Feministinnen? Sascha Lobo? Oder einem Typen, der sich Regendelfin nennt (frag nicht)? Leutem, die in Beziehungsstresssimulationstweets machen? Welchen, die sich mit sich selbst unterhalten („Ach was, das gibts auch?“ „Ich schwör Dir…“) ? Frustrierten Singles mit Hang zum Funalkoholismus? Linkschleudern? Leuten, die „Followerpower“ schreiben? Man könnte @Kosmar folgen, der hat Ahnung. Aber was kann ein Internetneuling damit anfangen? Wie kann P.E. dort seinen Teil finden, der gar nicht die Absicht hat, den Rest seines Lebens in ironischem Dauerduktus und mit sarkastischen Randbemerkungen eine Welt zu verunglimpfen, die ihm doch eigentlich so lieb und teuer ist. Druckerzeugnisse, Verbindlichkeit, Weihnachten, Menschen, Haptik, alles Dinge die schon in Millionen Tweets durch den Kakao gezogen wurden, was soll ich jemandem raten, wo kann man da ansetzen?

Facebook und Twitter sind nicht das Internet. Aber hier wäre mal ein Ansatz, so dachte ich, aber da ist kein Ansatz. Facebook tut zwar nicht weh, ein paar Bekanntschaften zu knüpfen, alte aufleben zu lassen, Interessengebiete zu erweitern, mal schauen was andere Gleichgesinnte so erzählen. Das kann man nebenher mal überprüfen. Das machen wir ja so nebenbei mit unseren Devices. Aber P.E. geht dazu in einem Raum in dem sein Power Mac G5 (FW800) 1,0 dual 1,42 GHz mit 250MB RAM steht, er schaltet den Computer ein, dann das Internet, dann öffnet er den Browser, dann loggt er sich dort ein, es folgen Prozesse, die mir vollkommen aus dem Gedächtnis entrückt sind und die an das Quietschen und Pfeifen alter Modems erinnern. Dann ist er drin. Da hätten wir ADHS-geschädigten Mongos längst die Flucht ergriffen. Es erfordert einerseits Geduld, die wir ja alle so gerne hätten, aber zum anderen empfinde ich es als auch nicht sachgemäß einen mittelgroßen Aufwand zu betreiben um die, meiner Meinung nach, relevaten Kommunikationskanäle (die für jeden andere sein mögen) in Verwendung zu. Um das Internet schmerzfrei und sinnvoll zu verwenden muss der Zugang und die Nutzung einer gewissen Sebstverständlichkeit und Unbekümmertheit unterliegen. Dazu kommt die unbedingt notwendige Filter-Souverinität und ein, zwei, drei Gedanken zu Privacy und Allgemeinen Nutzungsbedingungen und das Gefühl wo man klicken muss, wo man suchen muss, wie man suchen muss, welche Worte und Gedanken relevante Suchbegriffe ergeben, wem ich vertrauen kann, wer ein Arschloch ist, wo die doofen sitzen und wer Bernd auf Krautchan ist. WIE UM ALLES IN DER WELT SOLL ICH DAS ERKLÄREN? Wie soll ich das Wesen von Blogs erklären? Johnny Häusler hatte da heute einen guten Gedanken, ich sehe das im Grunde ähnlich bis genau so. Also erkläre ich P.E. Blogs. Er soll auch ein Blog aufmachen. Es ist ganz einfach. Thema: 50er-, 60er-, 70er-Jahre-Design, Typografie, Editorial Design, Bücher, Blechspielzeug, Eames Chairs, Verner Panton, etc. Schreib einfach los. Gut, es liest erstmal keiner und bitte keine Bilder aus dem Internet verwenden. Was Creative Commons und was „Marions Kochbuch“ ist, erkläre ich Dir nächste Woche. Du musst andere Blogs verlinken. Dabei darfst Du die Blogbetreiber aber auf gar keinen Fall ansprechen und Begriffe wie „Linktausch“ verwenden, denn das führt zu kübelweise Häme und Spott und Du bist unten durch. Bei, Thema „Bücher“ wäre ich vorsichtig, denn die gelten als altmodisch und werden von denen die es besser wissen als „tote Bäume“ deklariert. Braucht man also in diesem Internet nicht mit zu kommen, außer… jaaahaa… außer man schreibt ein Buch und das habe ich vergessen zu sagen, Du musst zwar über die Altmode Buch lästern, aber Du musst auf jeden Fall auch eins schreiben, egal was für ein unmotivierter, abstruser Shit dann da drin steht. Aber dazu später. Wenn Du also mehre Stunden damit verbracht hast einen einigermaßen vernünftigen Blogeintrag zu verfassen, dann musst Du natürlich damit rechnen, dass den keiner liest und selbstverständlich auch niemand kommentiert. Den Beitrag bei Twitter posten bringt nichts, Du hast ja keine Follower, denn Du bist ja nicht witzig. Die Leute auf Facebook lesen keine Blogs, das dauert denen zu lang. Du könntest bei anderen Blogs kommentieren und wenn Du das jahrelang machst und irgendwie der Eindruck entsteht, dass Du irgendwie auch cool bist, dann vielleicht, aber eigentlich auch nicht, denn Du bist ja nicht schon seit August 2002 dabei. Das ist Bloggen, lieber alter Freund. So sieht das aus. Aber ich kann Dir das Internet dringend empfehlen.

o_O

Dann fiel mir ein, man könnte jemanden, der was über das Internet lernen will, ja mal zur re:publica einladen. Ist die re:publica nicht dazu da, irgendwie das Internet zu erklären? Hahaha. Ich hab natürlich Spaß gemacht. Die Grenzen zwischen den jeweils sogenannten On- und Offlinern sind nicht offener geworden. Wenn gerade mal eine Internetplattform vom Mainstream erobert und ein bisschen verstanden wird, wird diese zur Platforma non grata erklärt und intern wartet man auf die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben werden kann, die anderen machen Pinterest und Instagram. Die Flora Arroganzia wächst und gedeiht und die Vorurteile auf beiden Seiten sind die gleichen, wie vor drei Monaten oder zwei Jahren.

Man wird es mit Erklärungen und Meinungen nicht deutlich machen können. Es geht nur, wenn man sich einfach jahrelang darauf einlässt und Teil des Internets wird und sich dabei vielleicht auch ein bisschen aufgibt. Es ist nur noch im Ganzen zu begreifen und mir fällt es immer schwerer zu erklären, was wir da eigentlich machen. Ob das jedem Internetfuzzie so klar ist? Wie schwer es ist einfach da einzusteigen. Die Benutzung eines Trackpads verlangt schon einiges Geschick ab. Oder den  Cursor ziel- und fachgerecht auf einen Link zu setzen und nur einmal zu klicken, das muss man erstmal können. Wir machen uns da ja auch überhaupt keine Vorstellungen mehr, aber unsere lieb gewonnenen Selbstverständlichkeiten sind anderorts monströs.

Nachtrag: Link zum Beitrag von Sascha Lobos auf der re:publica 2012. Für die 2,5 Menschen die ihn noch nicht gesehen haben.

 

Weihnachten mit dem Berndler

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