Grad darüber nachgedacht, die Blogeinträge zur WM offline zu stellen. Manchmal hat man sowas. Aber dann, ach was soll’s. Heute morgen haben wir im Büro die Übertragung der Rückkehr der Weltmeistertypen beobachtet. Das war Rahmenprogramm war schlimm. Was denken sich dieses übergestülpten Macher, die Helene Fischer und die Höhner einladen und auch noch wirken lassen. Es ist dann doch irgendwie so, dass Welten zwischen den Welten liegen. Nach der WM ’86 sind wir in ein Argentinisches Steakhaus gegangen und haben dort Salzstreuer und Ketchupflaschen geklaut. Aus Rache. Manchmal hat man sowas. Jemanden einen Salzstreuer klauen, weil er aus Land kommt, aus dem auch Fußballspieler stammen, die… ach was soll’s. Ich soll ein Buch schreiben, hat man mir gesagt. Ich wüsste gerne, was ich da reinschreiben sollte. Eine Geschichte vielleicht? Von Liebe? Aus meinen Abenteuern in meinem Büro? Über Freundschaft am Arbeitsplatz? Über Salzstreuer aus Argentinien? Soll ich meine Memoiren schreiben? Ich kann mich kaum mehr erinnern was gestern war. Ich könnte über Kräuterseitlinge schreiben. Kräuterseitlinge könnte ich den ganzen Tag essen. Ich wollte mal mit einem Wohnmobil durch Europa fahren und ein Buch über Supermärkte machen. Wollte fremdländische Verpackungen fotografieren und fremdländische Ravioli kochen und Mineralwasser trinken und was über’s Rülpsen schreiben. Ein Standardwerk über das Rülpsen und zugleich eine elegische Reisebeschreibung in Kombination mit Bildern von Supermarktkassiererinnen in Action. Aber dann fand ich Supermärkte plötzlich uninteressant. Die große Zeit der Supermärkte ist vorbei. Supermärkte haben zu viel Zeug. Man weiss gar nicht mehr, was man kaufen soll. Und dann kauft man gar nichts und dann, ganz am Ende der Gänge, packt man hektisch grüne Bohnen, Vanille-Duschgel und knallbuntes Feinwaschmittel ein, weil man sich denkt, dann wär ich ja umsonst zu diesem Supermarkt gefahren. Man hat quasi nichts gekauft, dafür aber 157,86 Euronen bezahlt. Und dann schleppt man elf Tüten mit Nichts zum Auto. Vielleicht schreibe ich über Bogenlampen, hier stehen ja zwei rum. Bogenlampen sind der Knaller. Neulich habe ich über die Fußballweltmeisterschaft geschrieben. Ich habe mich bemüht auf amüsante Weise so zu tun, als habe ich keine Ahnung von Fußball. Das kam voll gut an. Fast wie so ein Handwerksblog. Wenn ich Katzen nicht so erbärmlich fände, würde ich über Katzen schreiben. Ich glaube, da hätte ich meine Leser und auch Leserinnen. Wenn ich Katzen nicht so erbärmlich finden würde. Es tut mir ja leid. Aber es ist ein Grauen mit Katzen. Vielleicht fände ich Katzen gar nicht so schlecht, wenn Menschen nicht so beschissene Katzengeschichten erzählen würden. Aber darf ich mich beschweren? Ich hatte mal eine Hasen, der hat getwittert. Wir haben uns eine bEstimMte aRt üBerLegT, wiE er sChrEibEn würde, wenn er schreiben könnte. Menschen haben ihm Weihnachtsgeschenke geschickt und sie haben ihm Briefe geschrieben. Er hatte seinen Duktus. Oft dachte ich, das ist nicht okay, dass er ungefragt einen Duktus bekommt. Er hätte womöglich nicht zugestimmt. Er hätte gesagt: „ABeR, iCh biN doCh gANz aNdErs, hAbT iHr dEN aRScH oFfen, miCH wiE eiNEn beScHiSsENen iDIoteN dArzUstELLeN?!“ Manchmal tut es mir leid, dass wir ihm einen Duktus verpasst haben, weil wir wohl am Ende selbst dachten, er sei so, wie wir ihn gemacht haben. Ich glaube er wollte nur essen und schlafen. Ich vermisse ihn.
Wie ich den ganzen Tag Weltmeister war
Gestern, so um 21:45 Uhr, habe ich mich gefragt, was ich eigentlich hier seit vier Wochen mache. Wieso sitze ich gerade vor dem Fernseher und habe Angst. Angst, wie ich sie seltsamerweise noch nicht mal hatte, als sie mir 2011 wegen einer Blutvergiftung mein Bein amputieren wollten. Angst, die ich haben müsste, wenn ich mit 82 Millionen Vollidioten auf der Bundesautoban unterwegs bin. Angst, die ich vor dem Atomkrieg oder jedem Castor-Transport haben müsste oder wegen der CSU. Das ist irre. Und natürlich fragte ich mich dann, was ich überhaupt erwarte, was gibt es für mich zu verlieren und vor allen Dingen: Was gibt es überhaupt zu gewinnen?
Die Weltmeisterschaft im Fußball. Aber was habe ich davon? Wird meine Frau mich dann noch mehr lieben? Werde ich je wieder aufrecht gehen können? Wird es endlich Schwarzwälder Kirschtorte ohne Kalorien geben? Frieden in Nah- und Fernost? Atombomben ohne Atom? Eine Bundesliga ohne den HSV? Twitter ohne Idioten? Geld ohne Zinsen? Es wird nichts sein. Nichts, was jetzt schon wäre. Weder noch. Heute bimmelte um 6:45 Uhr mein Wecker. Er hätte sicher nicht um 5:45 Uhr, dieser von Hitler für alle Zeiten untauglich gemachten Uhrzeit, geklingelt, wären wir nicht Weltmeister geworden. Ich bin heute morgen aufgestanden, habe auf dem Weg in den Ponyhof die liebe Frau zum Bahnhof gefahren, mir im Büro einen Kaffee gemacht und anschließend bis um 20:30 Uhr vor einem Display gessen und hinein gestarrt. Die Kolleginnen haben wie immer vor sich hin gemurmelt, der Kollege war (wie immer) mit einem Wohnungsumzug beschäftigt. Der DHL-Mann brachte Pakete, die Postfrau brachte Briefe, die Ponys nickten mit den Köpfen, es gab Salat. Keine Ahnung was für ein Wetter draußen war, ich sitze den ganzen Tag in einem Rittersaal aus dem 13. Jahrhundert mit 2 Meter dicken Wänden. Ich hab’s gut. Ich kann nicht klagen. Ich bin Weltmeister. Ich schwenke keine Fahnen, verdresche keine Leute, hupe nur in Ausnahmefällen, hab mein Konto nicht überzogen, trinke keinen Schnaps auf der Arbeit. Mich regen keine Montage auf, kein Vogelgezwitscher. Ich schaue so gut wie nie Tatort und trinke seit 1998 kein Bier mehr. Ich bin heute morgen zum Auto geschluppt und habe mir gedacht, so schluppt also ein Weltmeister zum Auto. Das ist ja allerhand. Wer hätte das gedacht?! Habe ich das überhaupt verdient? Naja, so rein sportlich ohnehin nicht, aber auch sonst. Vielleicht geht’s aber trotzdem aufwärts mit der Wirtschaft. So weltweitmäßig. Vielleicht geht’s jetzt richtig los. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ging es einfach nur darum, dass sich ein paar Jungs den Arsch aufreißen um am Ende eine goldene Krampfader in die Luft zu stemmen. Wie die sich gefreut haben. Wie die sich gefreut haben. Nicht so prollig, seelenlos wie die Typen von 1990 und 1974 und nicht so steif und im Rahmen emotionalen Todseins die 1. Strophe der Nationalhymne singend, wie die Herrschaften 1954. Nicht wie Lothar Matthäus sich freut oder Gerhard Schröder. So falsch, nicht ausgereift, so noch nicht mal bemüht. Sondern so richtig gefreut. Wie Buben. Wie, als hätten sie nicht schon vor und nach dem Gewinn dieses Spiels achtstellige Unsummen auf dem Girokonto gelagert. Einfach nur dafür haben sie das gemacht, dass sie mal Weltmeister sind. Das man mal schaut wie das ist. Einfach deshalb haben sie sich die Fresse polieren lassen und den Arsch aufgerissen. Egal wo ihre Eltern her- und wie ihre Kinder hinkommen und wie eigenartig gleichsam ihre Frauen aussehen. Einmal Weltmeister sein. Das ist ja auch extrem anstrengend. Ich könnte das nicht. Aber die Frau, die mit mir hier unter unvorstellbaren Bedingungen mit meiner Birkenwaldtapete und einer Winkekatze, sowie zwei Hasen und einer Eiswürfelmaschine wohnt, die Frau und ich, wir haben uns so gefreut. Wir haben uns leise gedrückt. Kurz beide gedacht, ohne es auszusprechen und um es schweigend direkt wieder zu verwerfen, wir könnte ja mal an einem Autokorso teilnehen. Nur, weil wir nicht wussten, wohin mit dieser Fußballfreude. Weil es eben kein 7:1 war, kein schnelles Tor nach drei Minuten. Kein leichter Weg, kein Geholze und Gebolze mit garylinekereskem Ausgang. Und diesmal ohne Helmut Kohl in der Umkleidekabine und ohne jeden Anflug von Vokuhilafrisur oder Pornobalken. Da waren sie einfach nur mehr oder weniger nette Jungs mit Flusen im Kopf, die vier Wochen lang lustige Dinge mit einer luftgefüllten Schweineblase… bla bla bla… Ja, was schreibe ich denn hier für einen Mist. Ich muss es löschen, ich darf das nicht veröffentlichen. So ein Quatsch. Ich muss doch darauf hinweisen, dass ich natürlich weiß, dass nicht in Weltmeister geworden bin. Ich muss Dingen sagen wie Schloch und Scheißrotgold. Ich muss mich echauvieren. Ich muss was wichtiges, kluges sagen zu diversen Krisenherden. Ich muss NSA sagen oder Neckarsulmer Strickwaren Union. Ich muss mich über Menschen lustig machen, die Nordic Walking-Stöcke verwenden. Ich muss Tatort kukken und darüber twittern. Ich muss die Reifen meines Hohlrollers flicken und um die Welt reisen. Ich muss IRR GENTT WIE ANDERRS SEINNNN…
Am Ende gewinnt immer der Gewinner
Gleich ist Finale. Ich komme nicht mehr dazu, ich glaube ich kukk’s gar nicht. Ich habe keine Lust mehr. Ich frage mich, ob ich Fan eines Kreisligavereins werden soll. Ich stünde da alleine mit einer kalten R6 im Mundwinkel und schalem Bier im Becher und schaue mir an, wie die Mannschaft im Mittelfeld versinkt. Noch nicht mal regnen würde es. Tristesse K O M P L E T T. Um mal den Meister zu zitieren. Aber das wäre dann Fußball. Jetzt ist es irgendwas anderes. Das 7:1 gegen Brasilien und Louis van Gaal haben den Fußball kaputt gemacht. Und diese stundenlange Vorberichterstattung. Überhaupt, was ist denn Vorberichterstattung für ein Wort, welches ich hier beinahe wie selbstverständlich verwende? Es ist doch ein Graus.
Und dann: Jeder konnte doch sehen, dass es nicht unbedingt und ausschließlich an der gnadenlosen Brilianz der deutschen Nationalmannschaft lag, dass sie dieses komische Spiel gewonnen haben, sondern an den klebrigen Bewegungen der Brasilianer, denen jede Spiellaune abhanden gekommen schien. Da braucht man sich nicht zwingend was einzubilden, und das taten ja die Fußballspieler auch nicht. Anders jedoch die Medien. Mit welcher Arroganz der Südtiroler Markus Lanz in einer seiner Sendungen den Quoten-Argentinier Rodolfo Esteban Cardoso angrunzte, weil der kurz anmerkte, dass das Finale ja noch keinen Sieger, also auch keinen deutschen Sieger, habe. So was. Das muss man dem Trainer und der Mannschaft schon lassen. Solche Signale gab es da nicht. Jedenfalls keine, die ich vernommen hätte. Ja und deshalb muss man das jetzt erstmal gewinnen und dann kann man sich ja auch freuen. Aber wie kann man sich freuen? Soll man den Namen seines Landes aus dem Fenster brüllen? Einen Böller entzünden? Leise die Frau drücken? Am nächsten morgen nicht ins Büro gehen? Ausrasten und irgendwo einmaschieren? Ausländer aus dem Land rauschmeissen wollen? Gar nicht freuen? Bild-Zeitung kaufen? Schnaps saufen? So freuen, wie sich die FDP immer freut, wenn sie mal mehr als 5% Wählerstimmen haben, also stillos und unangebracht? Mit dem Auto einen Stau verursachen? Hupen? Was soll man denn machen, falls Deutschland heute abend Weltmeister wird? Natürlich, Deutschland wäre dann ja gar nicht Weltmeister, nur die Nationalmannschaft wäre dann Weltmeister und auch das nur im Fußballspielen und im Rahmen dieser zweifelhaften Organisation aus dem Land mit den Bergen. Verstehe. Also bin ich jetzt schon mal sauer. Wenn Argentinien gewinnt, weil ich das nicht möchte. Und wenn Deutschland gewinnt, weil ich ja all diese Freudenmaßnahmen ohnehin gar nicht unterstütze und zum Teil strikt ablehne. Also, die Frau leise drücken, das könnte ich mir noch vorstellen. Ich glaube, das mache ich. Falls die Frau nicht lieber hupen oder den Namen unseres Landes aus dem Fenster brüllen möchte.
Das Finale geht natürlich 4:1 4:0 für Deutschland aus. Zwei Tore davon schießt Gerd Müller oder wie der heißt. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Und natürlich fällt das Tor für die Argentiniern nur so am Ende, als alle schon am Feiern waren. Und die einzigen, die sich darüber so ungefähr 45 Sekunden lang aufregen, sind bin ich und Manuel Neuer. Also setzen Sie Ihre K O M P L E T T E Kamelherde auf einen 4:1 4:0-Sieg und kaufen Sie sich hinterher eine Kamelherde aus purem Silber Gold. Sie werden es nicht bereuen.
Kein Wind weht
(22:37 Uhr) Als säße ich auf der Kante des Bettes und träumte einen ruhigen, wattigen Traum. Was ist geschehen zwischen dem ersten WM-Spiel, das ich sah, an diesem 3. Juli 1974 und dem von heute. Es ist die 37. Minute und es steht 5:0 in der Halbfinal-Begegnung Deutschland gegen Brasilien. Was sich anhört wie einer meiner Vorhersagen, ist irgendwie nun unwirkliche Wirklichkeit. Wir sitzen da, die Frau und ich, neben mir die mit Eiswürfeln, Mineralwasser und Sprite Zero gefüllte Ruhrschüssel, die nur unmerklich schwappt, wenn ich daraus trinke, wie so ein Schwein. Ich sehe diese Einblendung, dieses Ding. Dieses Ufo, das auf der Erde gelandet ist und honigwabernde Brasilianer und diese Totenstille im Stadion, aus denen heraus langsam aufmunternde Schreie in die Ruhe dringen. Oscar vor dem deutschen Tor. Es ist als wäre alles ohne Hoffnung und ohne Rumms. Es ist seit Minuten wie in der 92. Minute. Aber es ist kurz vor der Halbzeitpause. Was soll nur passieren. Was soll nur werden mit den brasilianischen Hoffnungen? Die Zeit ist wie Kaugummi. Als wäre noch nie ein Spiel passiert. Als wäre das der Anfang von allem. Wie wenn Frieden wäre. Irgendwie. Und dann kommt nebenher und auch in Israel die Kriegsmaschinerie in Fahrt. Als wäre nichts. Als sei alles viel weiter weg als der Mond. Wir sitzen da. Wir rätseln. Wir schweigen. Die Tastatur vom Macbook klimpert eifrig. Meine Hände, taub von der Krankheit, suchen Buchstaben. Jetzt redet Merkel. Ich gehe aufs Klo. (22:55 Uhr)
@Videopunk schreibt, „Ach wenn man doch Tore gegen Frieden eintauschen könnte…“. Ja. Ja, ja. Das ist wohl so.
(23:18 Uhr) Klose ist raus und trinkt was. Viele Menschen sind inzwischen im Supermarkt. Ich weiß bis heute nicht, ob es Einfaltspinsel oder Einfallspinsel heißt. Ich überlege mir, dass es okay ist, wenn wir hier und da Fußball schauen obgleich zeitgleich Krieg & Seuche herrschen. Es ist nicht alles eins. Es sind so viele Welten. Es steht nie alles still. Ich arbeite ja auch, liebe Menschen, esse Kirschkuchen, lache… während des Krieges. Ihr Dummköpfe. Ihr sinn- und zwecklosen Dummköpfe, in Ereiferung erstarrend. Mir wird schlecht bei diesem Geschwätz. Geh raus und knick ein Ästchen im Weltgefüge um oder schweig. Es steht 6:0. Schürrle Fußballgott. 7:0 Schürrle. (23:34 Uhr)
Wir sind ein komisches Land. Statt im Staub zu stehen und zu dürsten, statt im Bombenhagel blutend dazuliegen, sitzen wir hier mit Chips und Sojawürstchen vor dem Flachbildschirm und jammern. Jammern. Die Brasilianer schießen das 1:7. Es ist alles geschossen und alles gesagt auf der Welt. An diesem seltsamen, unwirklichen Abend. Wie ist Fußball jetzt? Wir sitzen still und starren auf den Fernseher. Ein schmaler Grad zur Gönnerhaftigkeit und so, als wenn man alles hat und nichts mehr braucht. (23:52 Uhr)
Es wird prima für uns Primaten
Jetzt möchte ich aber auch ins Finale. Also ich jetzt, ganz persönlich. Mit Neymar wäre mir das zwar lieber gewesen (den hätte ich locker weggeputzt), aber hier, man kann es sich nicht aussuchen. Auf jeden Fall wünsche ich ihm alles Gute und baldigste Genesung und ich wünsche mir Schiedsrichter mit einem Sinn für die Gesundheit der Spieler. Hört nicht immer auf Sepp Blatter, der hat auch nicht immer Recht.
Die WM geht mir dieses Jahr ja auf den Sack. Ich weiss nicht, womöglich hat Freddy Valeng doch Recht und die Begeisterung will nicht erwachen, weil Löws Knaben so realistisch spielen. So irgendwie abgezockt, so italienisch. Nicht so wie früher, eher so wie Erwachsene. Und was haben wir doch 2010 für Tränen in den Augen gehabt, als der konsternierte Diego Armando Maradona eingeblendet wurde und wie man die Herren aus Argentinien mit 0:4 nach Hause geschickt hat. Und jetzt ist es, als spiele dauernd Bayern München unter Ottmar Hitzfeld und am Ende gewinnt Bayern München auch noch. Immer was zu meckern. Aber vielleicht ist es am Ende doch auch mal schön, wieder Weltmeister geworden zu sein. Also wenn ich jetzt Weltmeister würde, so ganz persönlich. Ich habe meine erste Firma einen Tag nach dem verlorenen Finale 2002 gegründet. Es war trübselig. Irgendwie saßen wir an unseren Rechnern und dachten an Oliver Kahn und wie traurig er war. Allein schon das… hh hh h. Und wie wäre das jetzt? Vielleicht wären wir da wirklich happy und alles wäre anders und irgendwie schön? Die Menschen in den Wartehallen des Sozialamtes würden sich mit Prosecco aus Dosen zuprosten, Frauen bekämen die gleichen Gehälter wie Männer. Mein Hexenschuss plagte mich nicht mehr. Die Milch würde nicht mehr sauer werden. Kühe wären lila. Es wehte stets ein kühles Lüftchen. Blühende Landschaften. Ach naja. Das ist ja auch egal.
1974, da war ich sieben und ich kann mich nicht erinnern, dass sich da irgendwas geändert hätte. Mein Vater hatte vor und nach dem Finale Koteletten. Und 1990 hatte ich ganz andere Probleme. Wieder wer zu sein, wäre mir jetzt persönlich nicht so wichtig. Bin ja schon wer. Irgendwer. Jetzt zum Beispiel ein Freak, der sich stumpf und relativ gefühllos Fußballspiele anschaut. Ich bin beileibe nicht der Freund der vergangenen Zeit und will nichts zurück und keine Konstellation von früher wäre mir lieber als die jetzige und ich bin mir sicher, dass früher nicht alles besser war. Vielleicht vor 7.000 Jahren, aber auch da nur vielleicht. Diese Gegenwart hält mich aber auch immer so auf Trab, dass ich mich gar nicht mit gestern beschäftigen kann. Mit morgen aber auch irgendwie nicht so richtig. Ich muss weniger arbeiten. Mehr schlafen. Mehr im Garten auf der Hollywoodschaukel sitzen. Mehr Bücher lesen. Mehr Feuer ohne Feuerzeug anzünden. Die Saftpresse öfter benutzen. Wieder mehr Musik hören. Endlich ein Wohnmobil kaufen und mit der Frau nach Finnland fahren. Aber ich muss ja arbeiten.
Also morgen. Morgen ist Dienstag, der 8. Juli 2014. Da gewinnt Deutschland gegen Brasilien mit 5:1. Davon kann man ausgehen. Ich bin mir relativ sicher. Und nach dem Abpfiff ist es mucksmäuschenstill im Stadion. Zu recht. Gerade habe ich überlegt, ob ich mucksmäußchen mit ß schreiben sollte. Ich habe das dann relativ schnell wieder verworfen. Manches kommt einem ja auch seltsam vor. Gestern Abend zum Beispiel, da wollte ich Fußball kukken. Ich wollte gar kein Spiel sehen, ich wollte Oliver Kalkofe und Oliver Kahn sehen oder diesen Dings aus Viva und den Mehmet Scholl mit ihren gurkigen Sprüchen. Diese seltsamen Analysen von Urs Meier, dieses unsinnige Geschwurbel des Fachbrasilianers Giovane Élber. Das hat mir gefehlt. Soweit ist es schon gekommen. Und Spiele in Begleitung der Twittersleut zu schauen und den ganzen Unsinn, den man dann schreibt, dieses Zusammenhanglose, dieses Gefühl Public Viewing ohne das Publicum zu sehen. Nur zu lesen. Dieses Nette, das Freundliche am Wir-Gefühl. Wie wir mit ausgerechnet der USA gelitten haben und traurig über das Ausscheiden der Chilenen waren und so. Und so ging’s gestern der Frau auch. Wir saßen am Fenster und schauten uns das Unwetter an und drückten der Hollywoodschaukel die Daumen. Wir hofften, dass sie den Sturm meistert, so wie der Ast unter dem unser Auto stand, auch den Sturm bittschön schadlos überstehen sollte. Dachten wir und dann schüttete ich Eiswürfel in die Rührschüssel mit der Sprite Zero/Mineralwasser-Mischung, so wie ich es auch am Dienstag machen werde und dann trank ich wie so ein Schweinchen meine Eiswürfel-Limmo aus der Rührschüssel und es war eine gute Zeit, da zusammen mit meiner Frau am Fenster zu sitzen mit dem Sturm und der Rührschüssel mit der Limonade.
Und jetzt gehen Sie zum Pfandleihhaus, verticken Sie Ihre Gibson Les Paul und setzen Sie von dem bisschen Geld, was Sie dann noch haben alles auf Sieg und kaufen sich danach ein Klavier. Sie werden es nicht bereuen.
Faunenklitterung
Ich kenne einen Typen, der heißt Frank Reich und ich fahre ab und zu nach Wissembourg zum einkaufen. Aber reicht das? Gekochter Schinken schmeckt in Frankreich besser. Und dann diese Mayonnaise mit Senf drin und dass die so eingeschweißte Hummer auf Holzplatten mit Salat und Beilagen anbieten. Und rosa Klopapier und diese Sprache. Und dann – total verrückt: Immer wenn wir nach Wissembourg fahren, gehen wir zu McDonalds. Da finde ich mich seltsam. Warum mache ich das? Warum?!??!?!? Was stimmt mit mir nicht? Ich habe es so satt, dass ich so ein Vollidiot bin. Warum gehe ich nicht in irgendein Restaurant am Straßenrand oder in der Innenstadt oder Rande irgendeiner Siedlung. Warum gehe ich zu McDonalds? Früher bin ich oft die Route nationale 7 runtergefahren. So ab Pouilly-sur-Loire und dann dem Süden entgegen. Wenn am Straßenrand… immer dieser Straßenrand… Salamis in Olivenöl eingelegt angeboten werden und Honigmelonen in Honig eingelegt und Lavendel in Lavendelöl eingelegt und Wein in Weinbrand eingelegt, dann ist alles gut. Eingelegtes ist eh King. Wenn ich dieser Sprache je Herr würde, zöge ich nach Frankreich.
Meine Freundin Nina hat ein Haus an der Ardèche. Da muss man nach der Ankunft erstmal 250 Skorpione aus dem Haus scheuchen und nächsten Morgen dann vom Kopfkissen schnipsen und aus den Schuhen fischen. Das gefällt mir gar nicht an Frankreich. Warum beschweren sich so wenige Leute über Skorpione? Das ist überhaupt kein Thema. Während der ganzen WM 1998 hat kein einziger Beitrag im Fernsehen das Skorpionenproblem in der Ardeche thematisiert. Was soll das?! Faunenklitterung? Will man uns was vorenthalten? Das hat sicher Gründe. Dieses geheimnisvolle Frankreich. Ich weiss noch wie dieser seltsam, irre Jean-Baptiste Grenouille sich…
Naja, auf alle Fälle schießt Karim Benzema (ich muss das sagen) 1-3 Tore in der ersten Halbzeit. Alle sind beleidigt und gehen mit hängenden Köpfen in die Kabine, wie weiland Uwe Seeler 1966, der von hinten aussah, als hätte er gar keinen Kopf. Aber dann endlich, endlich, endlich popendlich… und ich möchte hier nicht ins selbe Horn petzen, wie all die 82 Milliarden Fußballphilosophen dieses Landes… Philipp Lahm bitte raus aus der Nummer und rein in sein Kompetenzzentrum. Damit die Abwehr steht. Und Klose mal rein. Und ich will gar nicht erst wissen, was Frédèríç Valin, so lieb ich ihn auch habe, dazu sagen würde. ES INTERESSIERT MICH NICHT!!! Es geht hier um Dings. Um die ganz große Sache. Ich möchte nicht ausgelacht werden, wenn ich dereinst wieder in Wissembourg in den McDonalds gehe und auf die Fresse falle, weil wieder mal gerade geputzt wurde und außer zwei algerischen Kindern niemand dort ist, außer uns zwei deutschen Kindern. Ich möchte nicht, dass die sagen, gumma, der Typ da drüben kommt aus einem Land, das es besser hätte wissen müssen, aber das Land hat ja auf ein Nivea-Testimonial gehört, das sich vor laufenden Kameras auch mal einen Butzemann aus der Nase holt, statt auf Umstände einzugehen. Hahahaha! Und dann rutscht er auch noch so albern aus, die Sau. Schaut nur, wie er da liegt und der Burger da oben an der Decke klebt und schaut nur wie der Burger gleich von der Decke fällt und ihm auf dem Kopf purzeln wird, dem Typen aus dem Land mit dem Nivea-Testimonial, das sich vor laufenden Kameras auch mal einen Butzemann aus der Nase holt, statt auf die Umstände einzugehen. Ich möchte, dass Özil seine 50 Millionen wert war und der Müller auch (2:3 in der 82. und 3:3 in der 89.) und der olle Klose (aus dem Hintergrund müsste Klose schießen) nochmal auf seine ollen Tage was richtig Großes reißt und dass wir alle nicht bis zum Ende wie die Bekloppten vor der Glotze sitzen müssen… mein Gott, schreit Robbie Williams vielleicht laut… und die Nerven liegen blank. Das liegen sie ja dann eh schon 120 Minuten plus scheiß Tagesthemen oder heute journal, was weiß ich denn, welcher Sender dieses Spiel morgen übertragen wird. Und dann möchte ich hinterher nicht mehr drüber reden. Ich mag ja den Jogi Löw. Ich weiss nicht. Er sieht einfach anders aus als Hans-Hubert Vogts und Ulrich Stielike. Das ist schon was wert, wenn der Bundestrainer gut aussieht. Das ist schon was wert. Thomas Tuchel sieht auch gut aus. Verlassen Sie sich drauf und auf ein knappes 4:3 in dem Jahrhundertspiel morgen im Estádio do Maracanã.
Danke.
Däutschfffflannnttt
Zunächst einmal ist es mir inzwischen egal, wer Weltmeister wird. Ein paar Einschränkungen habe ich dennoch. Bis gestern hätte Holland den Titel ausnahmsweise auch mal verdient, aber nun habe ich die Sorge, dass Arjen Robben zusammenbricht, wenn man ihm den Pokal in die Hand drückt. Dieses Drama dann. Ach nöööh… lass mal. Gestern haben ich im Fernsehen gesehen, wie Hans-Joachim Rauschenbach auf verächtliche Weise algerische Journalisten ausgelacht hatte, weil sie die Verwegenheit besaßen, auf einen Sieg Algeriens im Spiel Algerien vs. Deutschland im Rahmen der WM 1982 zu tippen. Er drehte sich lachend weg und winkte ab. Huh huh huh, wie dämlich. Der Algerier hat ja wirklich zu lange in der Wüstensonne gestanden, schien er uns sagen zu wollen. Das Spiel ging 2:1 für Algerien aus. Man kann jedoch sagen, dass Deutschland noch nie gegen Algerien verloren hat, außer 1982 und 1964. Es hat allerdings auch nur 1964 und 1982 gegen Algerien gespielt. Irgendwas ist ja immer.
Wissen Sie, ich habe im Prinzip gar keine Zeit. Ich habe Deadline, Stress, Action und krassen Shit am Laufen. Manchmal habe ich einen romantischen Rückblick auf eine Zeit, als ich Fernsehen auf einem Schwarzweiß-Bildschirm mit 10cm Bilddiagonale, der in einen Ghettoblaster eingebaut war, schauen musste. Unter Hinzunahme bestimmter Hilfsmittel aus dem Lebensmittelbereich, war das Bild sogar ein bisschen farbig. Heute schaue ich mir die Begegnungen in HD auf einem Buntfernseher an, habe aber keine Zeit mich zu freuen. Ich muss arbeiten. Wenn also Deutschland rausflöge, müsste ich nicht mit meinen nervigen, nichtsnützigen sogen. Freunden am Freitag da sitzen und mir die Viertelfinalbegegnung gegen Dings ankukken. Dann könnte ich auch da arbeiten. Ich arbeite so gerne. Gestern hatte ich mal Urlaub von 12:45 bis 16:00 Uhr. Das war toll. Ich saß einfach nur so da. Dann fielen mir die Augen zu und ich schlief ein. Ich träumte von einem Fußballspiel von elf uralten Männern mit Brisk im Haar und Dreitagebärten im Gesicht, die gegen elf schwitzende Knaben aus dem Paradies antraten. Sie spielten auf einem Fußballfeld aus Karamelpudding und alles war, wie es in Träumen üblich ist, wie in Zeitlupe. Ich weiss nicht, ob ich schon mal erzählt habe, dass ich früher™ gedacht habe, es hieße „Zeitklupe“. Was ich mir wohl dabei gedacht habe? Als ich erwachte, hatten doch tatsächlich die Männer aus dem Paradies gewonnen. Ausgerechnet der Ex-Eintracht-Frankfurt-Fußballspieler Theofanis Gekas verschoss den entscheidenden Elfmeter. Ich musste an meinen alten Kumpel Georgios G. denken und wie er sicher weinend vor dem Fernseher zusammebrach und seine Familie und seine Freunde ihm weinend in den Armen lagen und bittere, salzige Tränen ergossen sich über das längst am Boden liegende Fasolakia. Traurig. Und da wird mir schlagartig klar, dass es mir doch lieber wäre, wenn die deutschen Knaben heute gewinnen würden. Eine Kundin sagte mir auch, warum das besser sei: „Die sehen besser aus.“ Das ist natürlich ein unschlagbares Argument. Bei Gelegenheit wende ich es mal bei einer Frauenfußball-WM an. Heute jedoch, ja heute, geht die Begegnung der schönen Männer aus dem Okzident gegen die Männer mit den inneren Werten aus Nordafrika 5:0 aus. Ich habe mir das diesmal gut überlegt. Und zwar taucht der stets wie-auf-180-seiend aussehende Islam Slimani gefährlich vor dem deutschen Tor auf, aber da zippelt Neuer die eine oder andere Torchance wie ein wahrer Glanzparadeur aus den oberen und unteren Ecken, was zum Erwachen der deutschen Mannschaft führt. Daraufhin schießt Thomas Müller in der 23. Minute das 1:0, in der 27. Minute das 2:0 und in der 44. Minute schnell noch das 3:0, bevor es in die Kabine zu einer Runde Wassereis geht. Trotz des Fehlens des schönen Mats Hummels macht die Abwehr dann hinten zu und als alle schon dachten, das war’s und das war ja auch schon ganz schön, da schlenzt zunächst der kurz zuvor eingewechselte Miroslav Klose in der 85. Minute das Kunstleder in Eckige. Und dann, als alle schon mit dem Kopf auf der Heimreise ins Hotel sind, da glaubt nochmal Shkodran Mustafi „er wär’s“ und kickt ein zum 5:0 in der 92. Minute.
Darauf können Sie wetten. Vergessen Sie aber nicht Ihren gesamten Monatslohn zu setzen, hinterher ärgern Sie sich wieder und dann heißt es wieder, warum hat der denn nichts gesagt?!
Aufwiederhähnchen
Liebe in Zeiten der Fußi-WM
Tja. Also übermorgen, am Samstag, den 28. Juni Zwotausenddingsbumms spielen also Brasilien und Chile miteinander Fußball. Ich hab’s fast geschafft. Die WM ist bald vorbei. Nochmal zur Erinnerung: Fußball-WM war mal für mich der absolute Burner auf der Welt. Ich war wochenlang vorher aufgeregt, kaufte mir alle Kicker- und Sonstwasfußballvorschauhefte mit allen Mannschaften, Listen, Tabellen, Fotos, Vorhersagen, Sepp Maier-Humor, Hansi Müller-Erklärungen und Ernst Huberty-Lobhudeleien die es zu kaufen gab. Man hatte ja kein Internet und keine Twittersleut‘ und keine Dings und kein Wikipedia und keine Sendungen, in denen Z-Promis ihre Empfindungen daher lallen. Ich will eigentlich nur unter einem Baum sitzen und auf einen Ententeich starren. Und ich will weder, dass der Baum vom Sturm gefällt oder vom Blitzschlag malträtiert wird. Ich will meine Ruhe und ich will in meiner Firma arbeiten und dann wieder meine Ruhe. Arbeiten und Ruhe und meine Frau soll für immer da sein und ich kaufe Ihr Erdbeeren und seidenes Geschmeide und Weihrauch ihr zu Ehren. Und einen Beamer und Cola aus Usbekistan. Und Liebe, die geb ich umsonst her. Das will ich. Das mach ich.
Und heute habe ich ein Foto gepostet auf dem vermeintlich die US-Regierung von damals zu sehen ist, wie sie, so soll man es denken und so wird es auch behauptet, Soldaten dabei zuschaut, wie sie Osama Bin Dingsbumms umlegt. Jeder kennt dieses Bild. Dazu schrieb ich, dass die US-Regierung beim Fußballkukken auch schon mal fröhlicher aussah und ich wollte den Eindruck erwecken, als schaute sich die damalige US-Regierung das 0:1 ausgegange WM-Fußballspiel USA vs. Deutschland an. Ja, und das ist dann witzig. Es wäre möglicherweise auch makaber und geschmacklos, wenn man das möchte und wenn man davon ausgeht, dass man dort irgendwas dokumentarisch-entsetzliches sähe, aber man sieht ein für die Medien erzeugtes Bildnis von Menschen, die so aussehen, als schauten sie sich Antropophagus II an oder das Spiel Manchester United gegen Bayern München (1999) oder die Lindenstraße. Es ist sozusagen egal, was die Protagonisten dieses Bildes schauen, es ist unwirklich. Es ist das Zeitalter der Medien. Es ist eine Inszenierung. Die Welt ist so ein Schrotthaufen und man denkt irrtümlicherweise, man könne sich den Schrotthaufen von jeder Perspektive anschauen, aber man schaut sich Photoshop an oder Gimp oder After Effects. Vielleicht spielen die Protagonisten auch Pac Man. Und ich wurde dann darauf hingewiesen, dass dies ein Dokument der Unlustigkeit sei, es erinnere an Drohnen, es stimme traurig. Ich habe nie das Gegenteil behauptet. Mich erinnert es in erster Linie an Gewehre, Granaten, tote Menschen in sengender Hitze, Typen, die in Schlafzimmern mit Badewannen durch die Welt fliegen und wegen denen Menschen, von denen ich dachte, sie hätten irgendwie dieses Dings da oben im Kopf, zum Brandenburger Tor tippeln um diese Typen beim Ablesen von Phrasen zu beobachten und irgendwie was mit Wahrheit, Wahrhaftigkeit und ich habe die Tatsächlichkeit im Griff ist auch noch dabei. Aber vielleicht sollte man sich mal mit einer ungarischen Salami beschäftigen. Oder jemanden mal liebevoll über die Wange streicheln oder mal ein Schäfchen am Ohr zauseln. Nicht immer nur ficken wollen und die Werbung in Modezeitungen überblättern. Es ist beides relativ aussichtslos und nur von mäßigem Erfolg. Sagt doch einfach mal zu dem Typ da drüben, dass er nicht scheiße ist, sagt doch mal der Frau in der Kneipe, die Euch unentwegt Gläser auf den Tisch stellt, dass ihr sie irgendwie verdammt nochmal gern habt, weil sie Gläser mit Bier auf den Tisch stellt. Und hier, Frau, die Du die Gläser diesen leidigen Typen auf den Tisch stellst, sag doch mal „Hey, schön, dass ihr da seid, ihr Typen unbekannter Herkunft.“ Und gebt der Frau Trinkgeld und legt dem Typen da drüben was in den Schlafsack und sagt Eurer Trulla gute Nacht und dass sie nicht hinfallen soll, wenn sie morgen zum Bus läuft. Macht das doch mal. Sagt doch mal dem @Schlenzalot und dem @HansHuett und der Murkel Graham und der @Ingapopinga, dass sie ganz schönes Zeug twittern und kauft das Buch von der wunderbaren @rudelbildung. Sagt zum Bleistift denen doch mal, dass Ihr die knorke findet. Ist nur ein Vorschlag. Oder sagt es denen, die ihr gut findet. Findet einfach mal jemanden gut. Nicht immer nur meckern. Freut Euch mal morgen aufs Büro und bringt den Asseln da Kaffee mit. Die freuen sich dann. Kauft mal gute Kartoffelchips, statt immer diesen Billigscheiß oder richtet so wunderbar Spargel auf einem Teller an wie es die knorkige Luzilla Schrottpresse immer macht. Trinkt mal Rotwein mit Cola, das ist gar nicht so übel und es ist sogar beim Kotzen noch ganz okay. Macht das mal. Seid mal so ein fröhliches, dickes Kind wie ich jetzt. Es lohnt sich.
P.S.: Brasilien vs. Chile 12:11 im Elfemeterschießen. Für wen verrate ich nicht.
Was kümmert mich mein Geschwätz von morgen
Was wird mich mein Geschwätz von morgen gekümmert haben. Ach, ich will natürlich, dass Deutschland weiter kommt und die USA rausfliegt. Nicht, weil ich USA-Hater wäre, ich bin keines Landes Hater, sondern, hier, einfach so. Aus Gründen und weil ich es kann.
Ich war mal anlässlich der EM in Schweden, im Jahre 1992, im Finale für Dänemark. Der Helmo, der Felix und ich haben uns Prince Denmark-Zigaretten, Tuborg Beer und dänische Fähnchen gekauft und sind zu einem halböffentlichen Fußkukken gegangen. Das fanden natürlich alle putzig, wie wir so für Dänemark waren, wo doch Deutschland der Finalgegner war und die Dänen… Hahaha… natürlich ja auch gar keine Chance haben würden. Hahahaha. Die Dänen. Hängen den ganzen Tag in Fleischklopsbude rum und wollen dann… Hahaha… da die Vorrunde überstehen. Hahaha! Aber die Dänen haben nicht nur die Vorrunde, das Viertelfinale und das Halbfinale überstanden, sie sind auch Europameister geworden. Hahaha… Hust! Und dann sind wir so durch die Stadt, was war noch nicht die Zeit der ganz großen Autokorsokrawalle. Alle waren schräg drauf rum. Da dachte ich, die Party zwei Jahre zuvor war irgendwie besser, so will ich’s doch nicht haben. 1990 hatte ich dann sogar mal ausschweifen gejubelt. Hatte ja sonst nichts vor. Mit einer Deutschlandfahne oder auch nur im Ansatz mit Schwarzrotgold hatte das nichts zu tun und das finde ich immer noch seltsam. Ich muss es seltsam finden, ich bin Deutscher. Ich weiss aber auch gar nicht, ob ich das nicht auch komisch finden würde, wenn die ganz Nazischeiße nicht gewesen wäre oder wenn ich aus Burkina Faso käme. Wie kann man sich denn im Rahmen der Abspielung eines Liedes ergriffen ans Herz greifen und dann auch noch heulen?!? Das wird mir im ganzen Leben keiner mehr erklären können. Und jetzt will der Sohn des Bäckermeisters aus Göppingen auch noch beide Hymnen mitsingen, in seinem Captain America-Pullover. Seltsam.
Ich werde ewig rätseln, wie es wohl so ist FrèdèríçVálìn zu sein? Wie es ist Deutscher im Ausland zu sein, weiß ich. Lesen Sie sich den Aufsatz ruhig durch und, falls Sie Erich Mühhsam nicht kennen, seien Sie gespannt, wann der ihn geschrieben hat. Ich kann allerdings das Geläster und Geheule auf Teilnehmer unseres Landes ebenso wenig leiden, wie Geläster und Geheule auf alle anderen Länder der Welt, außer Liechtenstein. Die Liechtensteiner haben es nicht anders verdient, mit ihrem begradigten Fluß da in der Mitte und dann auch noch falsch geschrieben. Aber auf was wollte ich denn eigentlich hinaus?
Es ist kalt. Ich weiss gar nicht, ob das okay ist oder ob man da jetzt auf den Sommer schimpfen müsste. Vielleicht informieren mich meine drei Leser ja mal, wie man sich diesem Sommer gegenüber so verhält. Mache ich alles richtig? Warten Sie, ich muss zuerst noch in meine Lämmerwurst beißen. Der Fußball kann mich nicht mehr erheitern. Was muss man eigentlich machen, wenn man gesalzene Mandeln isst und eine davon ist plötzlich total bitter. Muss man dann was machen? Ich kenne jemanden, der hat angeblich mal Jermaine Jones mit Gipsbein in einer Disco gesehen, obgleich der krank geschrieben war. Also Jermaine Jones. Ich kann das nicht dulden. Ich habe ja Eintracht Frankfurt, dort stand er damals unter Vertrag, mitfinanziert. Alleine deswegen muss die USA morgen verlieren und ausscheiden Und was auch immer sie ausscheiden möchte, Deutschland muss gewinnen. DEUTSCHFFWWLANTTT. Na diese Typen, die hier dauernd in der Zeitung stehen und so ulkige Namen haben wie Müller (Hihihi!) oder Lahm (Muahahaha!). Ich kenn doch sonst keinen, außer vielleicht Samuel Eto’o, Mario Balotelli, Frederic Valin, Bernd Schuster, Julio Cesar, Mario Kempes, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Rudi Kargus, Caspar Mehmering, Jan Aage Fjortoft, Mehmet Scholl, Just Fontaine, Didier Six, Paolo Rossi, Diego Maradona, Paul Breitner, Horst Eckel, Eike Immel, Dietmar Eilts, Anthony Yeboah, Uwe Bein, Jay Jay Okocha, Jürgen Pahl (Hihihi!), Luigi Riva, Paul Steiner, Roberto Boninsegna, Nobby Stiles, George Best, Éric Cantona, Kleberson (Hihihi!), Bernd Schneider, Jürgen Sparwasser, Johann Neeskens, Paolo Maldini, Daniel Passarella, Franco Baresi, Zbigniew Boniek, Marco Tardelli und Lew Jaschin. Aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob die noch mitspielen. Trotzdem gewinnt Deutschland morgen 6:1 durch Tore von Manuel Neuer, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger (Hihihi!), Lukas Podolski, Jerome Boateng, Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Mario Götze, Toni Kroos, Mesut Özil und sieben Tore von Thomas Müller. Das Tor für die USA schießt Tim Howard auf dem Weg zur Kabine. Ausversehen. Kann ja mal passieren.









